Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch? Die ehrliche Rechnung mit 3 Szenarien
Die kurze Antwort vorweg: Ja, Photovoltaik lohnt sich 2026 für die meisten Eigenheimbesitzer. Aber die Rechnung ist komplexer geworden. Während 2022 jede Anlage automatisch rentabel war, entscheidet heute dein Eigenverbrauch über Gewinn oder Verlust.
Dieser Artikel rechnet drei Szenarien jahresweise durch – mit echten Zahlen, aktuellen Quellen und einem Renditevergleich zur Alternativanlage.
Die aktuellen Zahlen (Juli 2026)
Bevor wir rechnen, die relevanten Parameter:
| Parameter | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Einspeisevergütung Teileinspeisung ≤10 kWp | 7,78 ct/kWh | ADAC [1], logicenergy [2] |
| Einspeisevergütung Volleinspeisung ≤10 kWp | 12,34 ct/kWh | ADAC [1], reduco.ai [3] |
| Nächste Degression | 01.08.2026 (−1%) | EEG 2023 |
| Strompreis Bestandskunden | 31–37 ct/kWh (ø 32) | BDEW [4] |
| Stromgestehungskosten PV (ohne Speicher) | 8–12 ct/kWh | Fraunhofer ISE [5] |
| MwSt. auf PV-Anlagen | 0% (seit 2023) | Finanztip [6] |
| Steuerfreibetrag PV (§3 Nr.72 EStG) | bis 30 kWp/Einheit | Finanztip [6] |
Kosten einer PV-Anlage 2026
Die Preise sind gegenüber 2023–2024 um rund 20–30 % gefallen:
| Komponente | Kosten (inkl. 0% MwSt.) |
|---|---|
| 10 kWp Anlage (Module + WR + Montage) | €12.000–€16.000 |
| 10 kWh Speicher (nachträglich) | €4.000–€5.000 |
| Komplettsystem mit Speicher | €16.000–€22.000 |
| Jährliche Wartung/Betrieb | €100–€200 |
Die Modulpreise sind 2026 auf einem historischen Tief – chinesische Überkapazitäten drücken die Preise [7]. Gleichzeitig ist die Nachfrage in Deutschland hoch: Im Mai 2026 wurde die 6-Millionen-Anlagen-Marke geknackt [8].
Szenario 1: Optimistisch — Hoher Eigenverbrauch + Speicher
Annahme: Du hast eine 10-kWp-Anlage, einen 10-kWh-Speicher, und optimierst deinen Eigenverbrauch aktiv (Heizstab, Zeitschaltuhren, E-Auto-Ladung bei Sonne).
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anlagenkosten | €18.000 (inkl. Speicher) |
| Jahresertrag | 9.500 kWh |
| Eigenverbrauchsquote | 70 % |
| Selbst verbraucht | 6.650 kWh |
| Eingespeist | 2.850 kWh |
| Ersparnis Eigenverbrauch (32 ct/kWh) | €2.128/Jahr |
| Einnahme Einspeisung (7,78 ct) | €222/Jahr |
| Wartungskosten | −€150/Jahr |
| Jährlicher Überschuss | €2.200/Jahr |
Amortisation: 8,2 Jahre — danach €2.200/Jahr Gewinn.
Szenario 2: Realistisch — Mittlerer Eigenverbrauch, kein Speicher
Annahme: 10 kWp Anlage ohne Speicher. Normale Nutzung, keine aktive Optimierung.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anlagenkosten | €14.000 (ohne Speicher) |
| Jahresertrag | 9.500 kWh |
| Eigenverbrauchsquote | 30 % |
| Selbst verbraucht | 2.850 kWh |
| Eingespeist | 6.650 kWh |
| Ersparnis Eigenverbrauch (32 ct/kWh) | €912/Jahr |
| Einnahme Einspeisung (7,78 ct) | €517/Jahr |
| Wartungskosten | −€150/Jahr |
| Jährlicher Überschuss | €1.279/Jahr |
Amortisation: 10,9 Jahre — danach €1.279/Jahr Gewinn.
Szenario 3: Pessimistisch — Volleinspeisung
Annahme: Du speist den gesamten Strom ein (z. B. weil tagsüber niemand zu Hause oder Vermietung). Bekommst die höhere Volleinspeise-Vergütung von 12,34 ct/kWh.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Anlagenkosten | €14.000 |
| Jahresertrag | 9.500 kWh |
| Eigenverbrauchsquote | 0 % |
| Eingespeist | 9.500 kWh |
| Einnahme Einspeisung (12,34 ct) | €1.172/Jahr |
| Wartungskosten | −€150/Jahr |
| Jährlicher Überschuss | €1.022/Jahr |
Amortisation: 13,7 Jahre — danach €1.022/Jahr Gewinn.
Die Break-Even-Tabelle (Jahr für Jahr)
So entwickelt sich das Investment in Szenario 2 (realistisch):
| Jahr | Einnahmen kumuliert | Kosten | Saldo |
|---|---|---|---|
| 0 | €0 | −€14.000 | −€14.000 |
| 1 | €1.279 | €0 | −€12.721 |
| 2 | €2.558 | €0 | −€11.442 |
| 3 | €3.837 | €0 | −€10.163 |
| 4 | €5.116 | €0 | −€8.884 |
| 5 | €6.395 | €0 | −€7.605 |
| 6 | €7.674 | €0 | −€6.326 |
| 7 | €8.953 | €0 | −€5.047 |
| 8 | €10.232 | €0 | −€3.768 |
| 9 | €11.511 | €0 | −€2.489 |
| 10 | €12.790 | €0 | −€1.210 |
| 11 | €14.069 | €0 | +€69 ✓ |
| 15 | €19.185 | €0 | +€5.185 |
| 20 | €25.580 | €0 | +€11.580 |
Nach 20 Jahren EEG-Laufzeit:
- Optimistisch: +€44.000 Gewinn (Rendite ~7,5 % p.a.)
- Realistisch: +€11.580 Gewinn (Rendite ~4,1 % p.a.)
- Pessimistisch: +€6.440 Gewinn (Rendite ~2,5 % p.a.)
Vergleich mit Alternativanlage: PV vs. ETF
Was bringt es, die €14.000 stattdessen in einen ETF (MSCI World, 7 % p.a.) zu stecken?
| PV (Szenario 2) | ETF MSCI World | |
|---|---|---|
| Investition | €14.000 | €14.000 |
| Wert nach 20 Jahren | €25.580 | €54.174 |
| Rendite p.a. | 4,1 % | 7,0 % |
| Risiko | Niedrig | Mittel |
| Steuern | Steuerfrei ⭐ | 25 % Abgeltungsteuer |
| Inflationsschutz | ✓ (Strompreis steigt) | ✓ (historisch) |
| Liquidität | ✗ (gebunden) | ✓ (jederzeit verkaufbar) |
Auf den ersten Blick schlägt der ETF die PV deutlich. Aber:
- Die €14.000 PV-Investition sparst du dir nicht vom Konto — du finanzierst sie oft über die KfW oder nimmst sie aus der Immobilien-Modernisierung.
- Der Strompreis steigt historisch 3–5 % pro Jahr. Die ETF-Rendite von 7 % ist nominal, die PV-Ersparnis skaliert mit der Inflation.
- Nach 20 Jahren gehört dir die Anlage — Module halten 30+ Jahre, auch wenn die EEG-Vergütung endet. Danach produziert die Anlage praktisch kostenlos Strom.
- Du bist unabhängiger — bei Strompreis-Schocks (wie 2022) schützt dich die PV.
Realistisch ist eine PV keine Rendite-Wette, sondern eine Absicherung. Du wirst nicht reich damit, aber du senkst deine monatlichen Fixkosten und schützt dich vor Strompreissteigerungen.
Wann lohnt sich PV 2026? Die ehrliche Checkliste
Lohnt sich, wenn du diese Kriterien erfüllst:
| Kriterium | Erfüllt? |
|---|---|
| Du hast ein Eigenheim mit geeignetem Dach (Süd/Südost/Südwest, 25–45°) | ⬜ |
| Dein jährlicher Stromverbrauch liegt über 3.000 kWh | ⬜ |
| Du bist tagsüber regelmäßig zu Hause (Homeoffice, Familie, Rente) | ⬜ |
| Du hast ein E-Auto oder Wärmepumpe (erhöht Eigenverbrauch massiv) | ⬜ |
| Du bist bereit, 8–11 Jahre auf Break-Even zu warten | ⬜ |
| Du planst, 10+ Jahre im Haus zu wohnen | ⬜ |
Wenn 4+ Kästchen angekreuzt sind → Lohnt sich. Wenn nicht → Überleg es dir gut.
Lohnt sich NICHT, wenn:
- Du zur Miete wohnst (kein eigener Dachzugriff)
- Dein Dach verschattet ist (Norden, Bäume)
- Du in den nächsten 5 Jahren umziehst
- Du nur Volleinspeisung machen kannst (niedrige Rendite, lange Amortisation)
Was ändert sich 2027?
Die Politik diskutiert eine Reform der Einspeisevergütung. Ab 2027 könnte das CfD-Modell (Contract for Difference) kommen [9], das die Vergütung marktnäher gestaltet. Für Anlagen die 2026 ans Netz gehen, gilt aber noch die 20-jährige Festvergütung nach aktuellem EEG — Planungssicherheit ist garantiert.
Fazit: Wer 2026 eine PV-Anlage installiert, bekommt die aktuellen Sätze für 20 Jahre garantiert. Die Degression senkt die Sätze alle 6 Monate um 1 % — also lieber früher als später handeln. Und der wichtigste Hebel für Rendite bist du: Je mehr Strom du selbst verbrauchst, desto lohnender wird die Anlage.
Quellen
[1] ADAC: “Einspeisevergütung 2026: Aktuelle EEG-Förderung für PV-Anlagen”. adac.de (Stand 02.04.2026, abgerufen 01.07.2026).
[2] logicenergy.de: “EEG-Vergütung 2026: Sätze, Tabelle & CfD-Reform”. logicenergy.de (abgerufen 01.07.2026).
[3] reduco.ai: “Einspeisevergütung 2026: aktuelle Sätze ab 7,78 ct/kWh”. reduco.ai/blog (17.06.2026, abgerufen 01.07.2026).
[4] BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: “Strompreisanalyse 2026”. Haushaltsstrompreis ca. 32 ct/kWh bei 2.500–5.000 kWh Jahresverbrauch.
[5] Fraunhofer ISE: “Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien”, Studie 2025/2026. PV-Dachanlagen: 8,1–12,2 ct/kWh.
[6] Finanztip: “Photovoltaik 2026: Wann sich eine PV-Anlage für Dich lohnt”. finanztip.de (28.05.2026, abgerufen 01.07.2026).
[7] pv magazine: “Modulpreise auf historischem Tief – chinesische Überkapazitäten drücken die Kosten”. pv-magazine.de (2026).
[8] solaranlage-ratgeber.de: “Solar-News Juni 2026: EEG-Reform stockt, sechs Millionen Anlagen erreicht”. solaranlage-ratgeber.de (abgerufen 01.07.2026).
[9] BMWK: “Eckpunkte zur EEG-Reform 2027 – Marktprämie und CfD-Modell”. Stand Juni 2026.
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